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Lockstoffe der Liebe
Pheromone: chemisch chiffrierte Botschaften Neben dem sozialen kontrollieren Pheromone vor allem das sexuelle Verhalten zwischen den
Individuen einer Art. Schmetterlinge beispielsweise finden mittels Pheromonen selbst auf größte Distanzen
hinweg ihren Partner. Auch Menschen setzen mit Pheromonen Schon kleinste Mengen Pheromone lösen in Sekundenbruchteilen über das VNO (in der Nase) einen Reiz im Gehirn aus.
Direkter Draht zur Gefühlswelt Noch bevor ein Geruch bewusst als solcher wahrgenommen wird, hat er bereits die tiefsten Bewusstseinsschichten erreicht und dort seine Botschaft überbracht. Denn Duftreize gelangen via Riechschleimhaut der Nase unmittelbar zum Limbischen System. Diese zentrale Schaltstelle des Gehirns ist eng mit dem Unterbewusstsein gekoppelt und bestimmt über lebenswichtige Instinkte; über willentlich nicht zu beeinflussende, archaische Empfindungen wie Hunger, Durst und Müdigkeit sowie auch und vor allem über das sexuelle Verhalten. Daneben steuert das Limbische System auch die Gefühlswelt: Sympathie und Antipathie, Intuition und Kreativität unterliegen seinem Einfluss ebenso wie die über das autonome Nervensystem vermittelte Körperfunktionen, beispielsweise Herzschlag, Atemfrequenz oder Körpertemperatur. Dass die wichtigsten Instinkte mit dem Geruchssinn korreliert sind, zeigt unter anderem auch die Tatsache, dass dessen Sensitivität abhängig vom jeweiligen Sättigungszustand des Betreffenden ist. Wer hungrig ist, riecht deutlich besser als wenn er gerade gegessen hat. Was in gleicher Weise auch für den Sex zutrifft: Vor dem Geschlechtsverkehr ist das Geruchsempfinden stärker als danach.
Obwohl der Geruchssinn beim Homo sapiens im Vergleich zu anderen Säugetieren recht schwach entwickelt ist, vermag dieser auch bei uns entscheidend auf die Emotionen einzuwirken. Düfte, das ist das Besondere an ihnen, zielen treffsicher wie ein Pfeil mitten ins Zentrum unserer Instinkte - ohne vorherige Zensur durch Bewusstsein und Intellekt. Wer also bei Liebeslust und Leidenschaft nach selbstbestimmten Auswahlkriterien zu handeln meint, der irrt: Bevor wir sexuelle Regungen empfinden, hat unsere Nase schon längst entschieden. Daran ist der Geruchssinn allerdings nur zu einem geringen Teil beteiligt. Libido und Sexualität stehen vielmehr unter dem Einfluss dessen, was ein anderer, in der Nase gelegener Empfänger an Signalen erhält: die Pheromone, auch Soziohormone genannt. Diese chemisch chiffrierten Signale versendet jedes Lebewesen, um, per definitionem, "Botschaften zwischen den Individuen seiner Population zu übermitteln". Mal anziehende und verführende, die potenziellen Geschlechtspartnern die Bereitschaft zur Paarung signalisieren, mal warnende und abschreckende, die das eigene Revier markieren und Eindringlingen Grenzen setzen. Jene winzig kleinen Duftmoleküle vermögen auch beim Menschen über sein Verhalten zu bestimmen - vor allem, was das Liebesleben anbetrifft.
Lange Zeit herrschte die Lehrmeinung, dass die Katalysatoren der Libido via Riechorgan
in der Nase die Leidenschaft entzünden - ein Irrtum, wie sich nun herausstellte. Ein kleiner Sensor am Eingang
der Nasenhöhle ist es vielmehr, der die Lockstoffe der Erotik empfängt: das vomeronasale Organ oder Jacobsonsche
Organ, kurz VNO genannt. Ein winziger, an der vorderen Nasenscheidewand gelegener Blindschlauch, der sich beim
Blick ins Elektronenmikroskop als voll funktionsfähiges Sinnesorgan entpuppt. Bestens mit all dem ausgestattet,
was zum Empfangen und Weiterleiten von Reizen erforderlich ist. Untersuchungen haben belegt, dass das VNO als Empfänger
von Pheromonen, Androstenon, Kopulin und Co. agiert und unentbehrlich für das Paarungsverhalten der meisten
Säugetiere ist - auch dem des Menschen. Es hat sich vielmehr sogar gezeigt, dass das VNO unabdingbare Vorraussetzung
zum Erlernen sexueller Handlungen ist. Hamstermännchen beispielsweise, denen der Pheromonempfänger vor
der ersten Kopulation operativ entfernt wurde, zeigten hinfort paarungswilligen Artgenossinnen ihr Leben lang die
kalte Schulter. Wurde den Hamstern das VNO hingegen nach dem ersten Verkehr entfernt, nachdem sie bereits einmal
in Kontakt mit Pheromonen gekommen waren, erweckten die Hamsterdamen weiterhin ihr reges Interesse. Angesichts seiner Funktion wird das vomeronasale Organ heute auch als "sexstes"
Sinnesorgan bezeichnet, was die Medien bereits zu Schlagzeilen wie beispielsweise "die Nase als zweites wichtiges
Sexualorgan" und "der Sex-Nerv sitzt in der Nase" inspirierte. Das alte Sprichwort, nach dem man
"an der Nase des Mannes seinen Johannes erkennt", was sich zweifelsohne mehr auf Umfang und Form bezieht,
scheint doch mehr als nur eine Binsenweisheit zu sein ...
Sex-Appeal aus dem Flakon Diese Erkenntnisse und vor allem die Möglichkeit, Pheromone zu isolieren veranlaßten die Parfümindustrie Düfte zu kreieren, die maximale sexuelle Attraktion verleiht. – ein alter Traum. Denn die Suche nach einem Duft, der den, der ihn trägt, unwiderstehlich macht, beschäftigt die Menschheit seit Jahrhunderten. Man denke an Patrick Süskinds Roman "Das Parfüm" , in dem es der Hauptfigur, selbst ohne Geruch und von niemanden geliebt, gelingt, den Duft von Jungfrauen zu destillieren und so zu ersetzen, was ihm fehlt. Dem Triumph des Geruchsfetischisten Jean-Baptiste Grenouille freilich fielen zahlreiche junge Frauen zum Opfer... Doch es bedarf nicht erst der Erzählkunst eines Patrick Süskinds, um nachvollziehen zu können, dass der Sex-Appeal zum Auftragen bei Bedarf der Traum eines jeden Parfumeurs ist. Pheromone vermitteln verbesserte Gemütsverfassung "emotionale Sympathie" und wirken sich überaus positiv auf zwischenmenschliche Beziehungen aus und können letztlich also auch eine gesteigerte sexuelle Lust zur Folge haben kann. Das Studium der Lockstoffe wird noch viel Erstaunliches und "praxisrelevantes", ob für das Liebes- oder Alltagsleben, zu Tage bringen. Schon jetzt steht fest, dass die zukünftigen Forschungserkenntnisse unser bisheriges Wissen über die Alchemie von Lust und Liebe in einem völlig anderen Licht erscheinen lassen werden. Und ebenso, dass die umgangssprachliche Formulierung, man könne "jemanden riechen" oder nicht, genau genommen falsch ist, sondern es vielmehr heißen müsste, jemanden "gut vomeronasalieren zu können" ... (Quelle: Birgit Frohn)
Androstenol (Fruchtbarkeit) In einem Experiment wurde einer Gruppe von Testpersonen gesagt, daß herausgefunden werden sollte, wie sich der Streß, der durch das Tragen einer Gesichtsmaske verursacht wird, auf ihre Entscheidungen auswirken würde. Ihnen wurden beim Tragen der Maske Photographien von Frauen, Männern, Tieren, Bäumen und Gebäuden gezeigt, mit der Aufforderung, ihnen Werte in einem Bewertungsschema zwischen aggressiv/passiv, attraktiv/unattraktiv, freundlich/unfreundlich usw. zuzuweisen. Sie wurden alle zweimal getestet, mit zweiwöchiger Unterbrechung. Was ihnen nicht erzählt wurde, war, daß winzige Mengen Androstenol bei einer der Testsitzungen auf die Masken gegeben wurden. In beiden Sitzungen wurden ihnen exakt dieselben Photos gezeigt, und ihre Entscheidungen waren unter dem Einfluß von Androstenol verändert. Die Bewertung der Gebäude und Bäume veränderte sich kaum. Tiere wurden als unbesonnener, schwerer einschätzbarer bewertet, aber die Unterschiede bei den Photographien von Menschen waren umso bemerkenswerter. Sowohl Männer, als auch Frauen wurden als sensitiver, besser, intelligenter, sexuell attraktiver, wärmer, freundlicher und vertrauensvoller empfunden. Verkäufer haben herausgefunden, daß ihnen Androstenol beim Umgang mit weiblichen Kunden von Vorteil ist. Ältere Menschen scheinen seine Wirkung zu genießen und leichte Veränderungen im Verhalten anderer ihnen gegenüber festzustellen.
In kleinen Mengen kostet Androstenone 20.000 DM pro Gramm, bis hinunter zu 12.000 DM pro Gramm bei Großabnahme. In einer verwendungsreifen Form hat es verschiedene Anwendungen. Es beeinflußt auf einfache Weise, wo sich Männer und Frauen hinsetzen. Frauen fühlen sich von Stühlen angezogen, die damit besprüht sind, und Männer neigen dazu, diese zu vermeiden. Möbelfirmen sollen es in ihren Ausstellungsräumen verwendet haben, um die Aufmerksamkeit auf eine schwerverkäufliche Sitzgruppe zu lenken. Männer sprühen sich ein, um zusätzlichen Respekt zu gewinnen und dabei dominierender oder einschüchternder zu wirken. Es konnte von unabhängigen Wissenschaftlern (2) (3) gezeigt werden, daß sich Frauen bei einer Reihe von 10 Stühlen öfter auf jene Stühle setzen, die mit Androstenones aggressivem Duft einsprüht wurden. Es scheint, daß sich die Frauen unterbewußt zu dem betreffenden Stuhl hingezogen fühlen und ihn als eine Art Zufluchtsort betrachten. Dieses Experiment wurde schon erfolgreich mit Telefonzellen wiederholt, wobei man herausfand, daß Frauen die eingesprühten Zellen nicht nur häufiger benutzen, sondern sich auch die durchschnittliche Gesprächsdauer erhöhte. In beiden Experimenten reagierten die Männer ziemlich entgegengesetzt. Sie neigten dazu, sowohl die besprühten Stühle, als auch die Telofonzellen zu vermeiden. Man nimmt an, daß sie dabei ein Territorium vermeiden wollten, das schon von jemandem in Besitz genommen worden war, der dominanter als sie selbst ist. Die Verwendung von Androstenone bei der Schuldeneintreibung mittels besprühter Mahnbriefe wurde sogar patentiert. Mahnschreiben haben vom Wesen her eine bedrohende Wirkung. Besprühte Anschreiben wurden öfter und etwas schneller bezahlt. Auf der unterbewußten Ebene wurde mitgeteilt, daß dieser Brief von jemandem abgeschickt wurde, der dominant, aggressiv und entschlossen ist. Die geruchliche Entsprechung zu roter Tinte.
Die Wirkung, die ein Geruch auf uns hat, hängt sehr stark von der Art und Weise ab, wie er uns vorgesetzt wird. Wenn Sie verloren, verkühlt, naß und hungrig in einem Wald herumirren würden, wäre der Geruch von Holzrauch überaus beglückend. Sie würden sich in Richtung der Rauchquelle bewegen und Wärme, vielleicht sogar Nahrung erhoffen. Bei einer Theatervorführung, jedoch, würde der Geruch von verbranntem Holz eher dazu geeignet sein, eine Panik auszulösen. Wenn ein sanfter, fürsorglicher Mann außer seiner Liebenswürdigkeit auch noch den Geruch eines "Revierverteidigers" trägt, finden ihn Frauen sogar noch attraktiver. Unterbewußt lautet die Botschaft: Dieser Mann zeugt starke Nachkommen und kann die entstehende Familie versorgen und beschützen. Das ist das gleiche wie in der Tierwelt, wo ein Partner aufgrund seiner größeren Stärke und Vitalität gewählt wird. Ein von Haus aus aggressiver und bedrohlicher Charakter wirkt noch um vieles einschüchternder, wenn seinen Worten mit diesem Duft Nachdruck verliehen wird. |